Symbolbild Telefonieren. Foto: Pascal Höfig
Symbolbild Telefonieren. Foto: Pascal Höfig

Einblicke in die Telefonseelsorge: Wenn Zuhören hilft

Anfang Dezember gab die TelefonSeelsorge OÖ – Notruf 142 Einblicke in ihre Beratungsarbeit in der Advent- und Weihnachtszeit.

Wenn das soziale Netz nicht trägt

Mag.a Silvia Breitwieser, Leiterin der TelefonSeelsorge OÖ, erklärte, in einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen und weltweiter Unruhen würden Ängste und Verunsicherung geweckt, die auch bei der Telefonberatung artikuliert würden. „Gerade zu Weihnachten erleben wir eine große Diskrepanz zwischen der Realität und der Sehnsucht nach einer heilen Welt“, so Breitwieser. Rund im Weihnachten sei es daher vielen Menschen wichtig, ihre Beziehungen zu Familienmitgliedern und FreundInnen zu intensivieren. „Wenn dieses soziale Netz nicht genug Halt gibt, braucht es zusätzliche Angebote wie die TelefonSeelsorge, die vertraulich, anonym, kostenlos und rund um die Uhr zur Verfügung steht – unter dem Motto: Hier hört ein Mensch“, so Breitwieser.

Wie Zuhören hilft und warum es eine Kunst ist

Jahrelang geschult und im Zuhören erfahren sind die MitarbeiterInnen der TelefonSeelsorge, die rund um die Uhr ein offenes Ohr für die Nöte von Menschen haben. Mag.a Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Projektleiterin des ElternTelefons, betonte, gerade im Advent und rund um Weihnachten sei die Sehnsucht nach Geborgenheit, Zuwendung, Harmonie und Zuversicht besonders groß. „Man sehnt sich nach einem Weihnachten, wie man es als Kind erlebt hat – mit Freude und glänzenden Augen. Der Verlust des Jobs, die Trennung vom Partner oder finanzielle Sorgen werden deshalb in einer Zeit, in der es rundherum weihnachtet, viel schlimmer und belastender erfahren als zu anderen Zeiten des Jahres“, weiß die Expertin.

Nicht immer gibt es dann im näheren Umfeld jemanden, dem man sich anvertrauen kann, wie Lanzerstorfer-Holzner betont, denn: „Zuhören kann gerade in unserer heutigen schnelllebigen und von Multi-Tasking betroffenen Zeit eine wahre Kunst beziehungsweise eine Herausforderung sein. Allzuoft ist es kein Zuhören, sondern eher ein ‚Mithören‘, ein ‚Nebenbei-Hören‘ – oder das Gesagte geht gleich beim einen Ohr hinein und beim anderen wieder hinaus. Unsere Kommunikation wird immer mehr visualisiert und ist stärker auf das Senden von Mitteilungen programmiert als auf das Empfangen.“

Ungeteilte Aufmerksamkeit heute selten

Ungeteilte Aufmerksamkeit sei heute selten, aber unbedingt notwendig, wenn es um Probleme gehe. „Die Freundin ist vielleicht gerade selbst überbelastet, der gute Freund kommt immer gleich mit Ratschlägen, jemand sagt sofort: ‚Du, mir geht’s genauso‘ und drängt mich in die Rolle des Zuhörenden oder ich merke, dass mein Gegenüber mit den Gedanken ganz woanders ist – da werde ich mich schwertun zu erzählen, dass meine Partnerschaft zu scheitern droht“, erläutert die Expertin die Situation der Betroffenen.

Anders bei der Telefonseelsorge: Dort schenken die MitarbeiterInnen ihre Zeit und ihre ganze Aufmerksamkeit, wenn Menschen sich etwas von der Seele reden möchten. In schwierigen Situationen kann ein gutes Gespräch bereits eine große Hilfe sein. „Man fühlt sich angenommen und kann endlich das erzählen, was einem am Herzen liegt – anonym, vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr unter der Nummer 142. Wenn man seine Gefühle, Sorgen und Ängste aussprechen kann, beruhigen sie sich ein Stück weit, man kann sie drehen und wenden. Durch die strukturierte Gesprächsführung gewinnen die Anrufenden mehr Klarheit, kommen wieder mit sich in Kontakt und sehen vielleicht erste Perspektiven“, schildert Lanzerstorfer-Holzner, wie TelefonSeelsorge konkret hilft. Benötigen AnruferInnen weitere professionelle Hilfe, werden sie auf Wunsch an entsprechende Angebote weiterverwiesen.

Einsamkeit als Hauptgrund für Anrufe

Die meisten AnruferInnen kontaktieren die TelefonSeelsorge, weil sie sich einsam fühlen und sich ein Gegenüber zum Reden wünschen, so die Erfahrung von Silvia Breitwieser. Auch die Statistik belegt, dass Einsamkeit thematisch an erster Stelle steht, gefolgt von Beziehungsproblemen, psychischen Erkrankungen und Lebensumbrüchen bzw. Krisen.

„Es fällt vielen Menschen sehr schwer, Hilfe anzunehmen, sich anderen mit ihren Problemen zuzumuten“, weiß Breitwieser. Besonders Männer rufen häufig erst an, „wenn der Hut brennt und die Lage schon brisant ist“, so die Leiterin der TelefonSeelsorge. Sie räumt mit der Vorstellung auf, dass am Heiligen Abend und zu Weihnachten die meisten AnruferInnen zu verzeichnen sind. „Tatsache ist, dass die Spitzenzeiten im Frühjahr und im Herbst liegen – und nach den Weihnachtsfeiertagen. Vor Weihnachten haben viele Menschen noch die hohe Erwartung, dass am 23. Dezember doch noch alles gut und harmonisch wird. Am Telefon hören wir dann nach den Feiertagen, was alles schiefgegangen und vorgefallen ist“, schildert Breitwieser.

TelefonSeelsorge – Notruf 142 in Zahlen

Die TelefonSeelsorge – Notruf 142 feierte 2016 ihr 50-jähriges Bestehen. Sie versteht sich als Erstanlaufstelle für Menschen in schwierigen Lebenslagen und Krisensituationen. Die Einrichtung der katholischen und evangelischen Kirche wird vom Sozialressort des Landes Oberösterreich unterstützt. Sie ist an allen Tagen des Jahres 24 Stunden lang kostenlos und vertraulich zu erreichen. 88 ehrenamtliche MitarbeiterInnen (74 Frauen, 14 Männer) der TelefonSeelsorge – Notruf 142 sind rund um die Uhr für die Anliegen der Anrufenden da.

Im Jahr verbucht die TelefonSeelsorge etwa 3.000 Gesprächsstunden. Die meisten Ratsuchenden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt, etwa 70 Prozent der Anrufenden sind Frauen. Neben dem Notruf 142 bietet die TelefonSeelsorge auch das Elterntelefon 142 und Onlineberatung (per Mail oder Chat) an. Im Jahr 2017 wurden bisher 655 Mailkontakte und 183 Chats verzeichnet.

Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Diözese Linz. 

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