Weihnachtsbräuche rund um die Welt. Foto: Katharina Kraus
Weihnachtsbräuche rund um die Welt. Foto: Katharina Kraus

Weihnachtsbräuche aus aller Welt

Nicht nur bei uns in Oberösterreich feiern wir Weihnachten mit ganz besonderen Traditionen, auch anderswo wird am 24. Dezember – und an den Tagen davor und danach – gefeiert. Wir haben uns mal bei uns in der Redaktion umgehört und ein paar Bräuche zusammengetragen.

Weihnachten in Deutschland

Nikolaus 

Am Tag vor dem Nikolaus-Tag, also am 5. Dezember, stellen die Kinder ihre Stiefel vor die Haustüren, damit diese vom Nikolaus mit Geschenken gefüllt werden. Zudem ist es verbreitet, dass der Nikolaus mit Knecht Ruprecht am 6. nach Hause kommt. Der Nikolaus belohnt dann die braven Kinder mit Geschenken und Knecht Ruprecht bestraft die bösen Kinder.

Weihnachten

Am Heiligabend, dem 24., geht die ganze Familie in die Kirche. Danach wird dann gemeinsam das Festmahl verzehrt und anschließend heißt es, die Geschenke auszupacken, die unter dem Christbaum liegen. Traditionell bringt auch hier das Christkind die Geschenke, jedoch ist der Weihnachtsmann, also der amerikanische Brauch auch verbreitet. Den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag (25. und 26.) verbringt man zusammen mit der Familie und genießt so besinnliche Stunden gemeinsam abseits vom Alltag.

Johannissegen

Am 27. Dezember, dem Johannestag, wird in vielen Weingegenden der „Johannissegen“ gespendet. Winzer bringen eine Flasche ihres Weines zum Segnen in die Kirche. Dieser Wein wird später auf die Fässer mit Wein und Most verteilt, dass der Wein im neuen Jahr nicht ausgeht – und jeder, der davon trinkt, von Krankheiten verschont bleibt.

Mancherorts kennt man auch den Brauch, keine Bettwäsche zwischen den Jahren aufhängen zu dürfen – das soll nämlich Unglück für das neue Jahr bringen. Wenn man allerdings Kraut an Neujahr kocht, geht einem im neuen Jahr das Geld nicht aus – sprich: Unbedingt ausprobieren!

Weihnachten in den Niederlanden

Weihnachten in den Niederlanden unterscheidet sich vom Weihnachtsfest in anderen Ländern. Dort ist nämlich traditionell nicht Heiligabend, sondern der Nikolaustag der wichtigste Feiertag. Während die Niederländer am 24. Dezember, dem „Kerstfest“, nur in die Kirche gehen und ein abendliches Festmahl genießen, steigt am Nikolausabend, also am 05. Dezember, das große Fest – mit Geschenken und jeder Menge guter Laune.

Der Legende nach erreichen dann „Sinterklaas“, der heilige Nikolaus, und sein Knecht „Zwarte Piet“, die Niederlande. Dann herrscht große Aufregung – denn jeder weiß: Es gibt Geschenke. Das besondere dabei: Jedem Päckchen, das Sinterklaas bringt, ist ein lustiges Gedicht beigelegt, das der Beschenkte vor dem Öffnen in der Familien-Runde vorlesen muss. Gute Laune ist garantiert!

Weihnachten in den USA

Wir beamen uns einmal über den großen Teich in die Vereinigten Staaten – und schon sehen die Weihnachtstraditionen ganz anders aus als die in unserem schönen Linz.

Zu Weihnachten in den USA gehören viele Traditionen, die aus mindestens genauso vielen Ländern stammen wie ursprünglich die Einwanderer. Und so beginnt alles mit dem Thanksgiving Day. Der Tag des Erntedankfestes läutet in den Vereinigten Staaten offiziell die Vorweihnachtszeit ein. Und so sind von diesem Tag an, nicht nur in New York bei den großen Einkaufshäusern wie Bloomingdales oder Macy’s die Schaufenster festlich dekoriert, sondern im ganzen Land schmücken die Menschen ihre Häuser mit zahlreichen Lichterketten und weihnachtlichen Deko-Artikeln.

Hierbei bricht in manchen Vorstädten geradezu ein Wettbewerb aus – welcher Nachbar hat die meisten Glühlampen verbaut oder den größeren Santa auf dem Dach stehen. Kurzum: Überdimensionale und in bunten Farben blinkende Zuckerstangen oder Rentiere zieren Vorgärten und Fassaden. Noch ein bisschen verrückter: Im Süden – wo auch im Dezember absolut kein Schneefall zu erwarten ist – erfüllen sich manche mithilfe von Kunstschnee den Traum einer weißen Weihnacht.

Rudolph bringt Geschenke

In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember beginnt dann das eigentliche Weihnachtsfest. Für Kinder ist es Brauch, am Abend des 24. ihre „Christmas-Stockings“ am Kamin zu befestigen, nachdem sie ihre Wünsche an Santa Claus geschickt haben. Denn eine Legende besagt: In der Nacht zum 25. Dezember fliegt der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten von Dach zu Dach, rutscht durch die Kamine und verteilt dabei Geschenke. Der Schlitten wird hierbei vom rotnäsigen Rudolph und seinen Rentierkollegen Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen gezogen.

Übrigens: Dieses berühmte Weihnachtsmärchen rund um Santa Claus und Rudolph basiert auf der Geschichte „A Visit from St. Nicholas“ des Amerikaners Clement Clarke Moore aus dem Jahre 1837. Doch die eigentliche Geschichte von Rudolph und seinem Schlittengespann fand erst durch die Werbekampagne des Kaufhauses Montgomery Ward vor fast 80 Jahren weite Verbreitung. Den Grundstein dazu legte allerdings der Zeichner Bob May in den Dreißiger Jahren. Er kreierte das Kinderbuch rund um die Geschichte des kleinen Helden Rudolph für seine Tochter – da seine Frau im Sterben lag und die Familie zu arm war, dem Mädchen ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen.

1939 verkaufte May dann die Rechte des Kinderbuchs an die Kaufhauskette. Und so kam es, dass zehn Jahre später das Rentier durch den Weihnachtsohrwurm „Rudolph, the red-nosed Reindeer“, der übrigens ebenfalls von May stammt, endgültig die Herzen aller Weihnachtsfans eroberte – national sowie international.

Geschenke am 25. Dezember

Am 25. Dezember – noch vor dem Frühstück – heißt es dann endlich: Geschenke auspacken. Die größeren Geschenke liegen – wie auch in Deutschland – unter dem Weihnachtsbaum. Hinter diesem steckt übrigens ein weiterer schöner Brauch der amerikanischen Vorweihnachtszeit, der „Christmas Tree Hunt“: Familie, Freunde und Bekannte fahren gemeinsam an einem vorweihnachtlichen Wochenende in die Berge oder aufs Land, um einen Weihnachtsbaum in freier Natur zu fällen. Zurück zu Hause setzt man sich gemütlich bei Cookies, warmen Getränken und leckerem Essen zusammen.

Aber zurück zum Weihnachtstag. Im weiteren Tagesverlauf des 25. Dezembers kommen dann oft Verwandte und Freunde zu Besuch. Als Willkommensdrink wird dabei Eggnog ausgeschenkt, ein süßes alkoholhaltiges Getränk mit Ei und Whiskey. Als Weihnachtsessen gibt es wie an Thanksgiving, meisten einen großen Truthahn-Braten. Das Rezept für den Familien-Truthahn wird oft als großes Küchengeheimnis nur innerhalb der Familie weitergegeben.

Im Süden der USA feiert man häufig mit einem großen Feuerwerk. Dieser Brauch stammt noch aus der Zeit der ersten Siedler in Amerika, die auf diese Weise den weit entfernten Nachbarn symbolisch ihre Weihnachtsgrüße übermittelten und gleichzeitig böse Geister vertreiben wollten.

Weihnachten in Österreich

Ganz klar: Auch in Österreich gibt es die Geschenke an Heiligabend – jedoch vom Christkind und nicht vom Weihnachtsmann. Beschrieben wird dieses liebliche Wesen häufig als Kind mit blonden Locken, Flügeln und Heiligenschein. Bei den meisten Familien klingelt um etwa 18 Uhr das Glöckchen, das die Bescherung ankündigt. Davor oder danach wird gegessen, meist jedoch „nur“ etwas Einfaches wie zum Beispiel (Brat)würstel. Die Weihnachtsgans gibt es traditionell am 25. Dezember, dem 1. Weihnachtstag, an dem häufig im größeren Familienkreis gefeiert wird.

Traditionelle Christmette

Auch der Kirchgang ist etwas Traditionelles: Viele Familien gehen nach dem gemeinsamen Feiern am Heiligen Abend in die Christmette. Auch werden am Heiligen Abend oft Weihnachtsgeschichten erzählt und zusammen musiziert. Aus Österreich kommt übrigens das berühmteste Weihnachtslied der Welt: „Stille Nacht“ wurde am Weihnachtsabend im Jahr 1818 zum ersten Mal in der St. Nikolaikirche in Oberndorf gespielt.

Viele Bräuche und Traditionen bietet freilich auch der ganze Advent. So der 4. Dezember, der Barbaratag. Früh morgens schneidet man an diesem Tag einen Kirschbaumzweig vom Baum ab und stellt ihn in eine Vase. Blüht er an Heilig Abend, ist das ein Zeichen für Glück, Gesundheit – und in manchen Regionen für eine bevorstehende Hochzeit.

Nikolaus und Krampus

Zwei Tage später, am 6. Dezember, ist dann der Nikolaus unterwegs. Mit dabei hat er seinen Gehilfen, den Krampus. Während die braven Kinder vom Nikolaus Süßes bekommen, gibt es für die schlimmen Kinder vom Krampus, der traditionell eine Rute bei sich trägt, Saures.

Nicht zu vergessen: Dass wir Österreicher weltweit Meister in Sachen Mehlspeisen sind, ist nicht erst seit dem Hype um den Apfelstrudel bekannt. Im Advent werden Weihnachtskekserl gebacken wie zum Beispiel Vanillekipferln, Raunigel oder Kokosbusserl.

Stephanitag

Am 26. Dezember erinnert sich die christliche Kirche an den ersten Märtyrer und Diakon für die Armen, Witwen und Waisen in Jerusalem, Stephanus – und deshalb ist bei uns der 2. Weihnachtsfeiertag der Stephanitag. Der Stephanustag bzw. Stefanitag wurde schon seit der Einführung des Weihnachtsfestes als Fest am Tag nach dem Fest der Geburt Jesu begangen, wodurch die Freude über die Geburt und die Trauer über die Bedrohtheit des Lebens ganz nahe zusammen gesehen wurden.

Stephanus („der Bekränzte“) lebte zur Zeit Jesu in Jerusalem / Israel. Er war einer der ersten Diakone der judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Es gab sieben von ihnen, die zugleich für die Glaubensverkündigung und für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutsamkeit nahe an die Apostel heranreichten. Lukas schildert in der Apostelgeschichte Stephanus als einen begnadeten Redner. Um seines Glaubens willen wird Stephanus schließlich gesteinigt; bei seiner Ermordung ist auch Saulus, der spätere Paulus (Apostel) anwesend. Die unterschiedliche Auffassung betreffend die Heilsbedeutung des Todes Jesu hatte zur Folge, dass die griechisch sprechenden Judenchristen von der jüdischen Gemeinde nicht mehr geduldet wurden und, wie die Bibel vermerkt, nach dem Tod des Stephanus „alle“ zerstreut wurden.

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