Gemeinsam gestalten die Kinder und Jugendlichen auch Wandmalereien auf öffentlichen Plätzen. Foto: Klaus Zeugner
Gemeinsam gestalten die Kinder und Jugendlichen auch Wandmalereien auf öffentlichen Plätzen. Foto: Klaus Zeugner

Sternsingeraktion 2018 für ein besseres Leben

In knapp vier Wochen werden in Oberösterreich wieder ca. 16.000 SternsingerInnen mit Segenswünschen fürs neue Jahr von Haus zu Haus ziehen. Die ersungenen Spenden ermöglichen in mehr als 500 Projekten in 20 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika Hilfe zur Selbsthilfe. Bei einer Pressekonferenz am 28. November 2017 im OÖ. Presseclub wurde anhand eines Beispielprojekts in Nicaragua aufgezeigt, wie Sternsinger-Hilfsprojekte die Lebensbedingungen von Menschen nachhaltig verbessern.

Musikalische Segenswünsche

Die SternsingerInnen sind aus der Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Sie ziehen in den Wochen nach den Weihnachtsfeiertagen in Stadt und Land von Haus zu Haus, überbringen musikalische Segenswünsche für das neue Jahr und sammeln für Menschen in den Armutsregionen der Welt. So schenken sie doppelt Freude – und haben auch selber großen Spaß an ihrem ehrenamtlichen Engagement.

Auch heuer werden im Zeitraum von 27. Dezember 2017 bis 6. Jänner 2018 österreichweit wieder ca. 85.000 SternsingerInnen aus etwa 3.000 Pfarren singend unterwegs sein – allein in Oberösterreich sind es 16.000 Mädchen (sie stellen zwei Drittel), Buben und auch Erwachsene. Beachtlich sind die Wegstrecken, die dabei absolviert werden: Geschätzte 420.000 Kilometer legen die SternsingerInnen gemeinsam zurück – das entspricht in etwa einer zehnmaligen Umrundung des Erdballs.

Sternsinger ins Europäische Parlament

Zusätzlich zu den Hausbesuchen in den Pfarren erwarten einige SternsingerInnen aus Oberösterreich zwei ganz besondere Termine: Am 30. Dezember 2017 sind SternsingerInnen aus ganz Österreich, unter ihnen eine oberösterreichische Delegation, bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen in der Wiener Hofburg zu Gast. Und am 10. Jänner 2018 reisen SternsingerInnen aus Kirchdorf als VertreterInnen für Österreich ins Europäische Parlament nach Brüssel, wo sie mit anderen europäischen „KönigInnen“ ihre musikalische Aufwartung machen werden.

Sternsinger-Rap motiviert zum Mitmachen

Informiert und zum Sternsingen motiviert werden potentielle KönigInnen heuer von einem Sternsinger-Rap, der als Video unter www.sternsingerrap.at zu finden ist. Unter dem Motto „Listen to the Kings“ rappen die Heiligen Drei Könige in einem Sternsingerlied der anderen Art die Weihnachtsbotschaft der Geburt Christi. Basierend auf dem Refrain des Sternsingerklassikers „Wir kommen daher aus dem Morgenland“ haben zwei junge Texter, Nikodemus Wagner und Philipp Grammel, die Geschichte von Caspar, Melchior und Balthasar von der Krippe und ihrem Besuch beim Jesuskind bis zu den über 500 Hilfsprojekten, die heute jedes Jahr aus Sternsingerspenden finanziert werden, neu erzählt. Gerappt wurde der Song von Jungkünstlerin Simone Carreno von Femme DMC und Rhymemaster Philipp Grammel aus Wien. Filmisch in Szene gesetzt wurde das Musikstück von Traum & Wahnsinn. Die Dreharbeiten führten Regisseurin Juliana Neuhuber, Kameramann Thomas Weilguny und Groove-Verantwortlichen Josef P. Wagner in den Semesterferien 2017 nach Oberösterreich, Kärnten, ins Burgenland und in die Steiermark. Mit dabei: SternsingerInnen aus den oberösterreichischen Pfarren Lembach und Linz-Christkönig. Mag.a Mayella Gabmann von der Katholischen Jungschar der Diözese Linz: „Das Feedback von Kindern und Erwachsenen ist sehr positiv. Der Rap zeigt, dass sich Brauchtum auch verändern darf – zumindest fürs Video.“

Spenden, die nachhaltig helfen

Im Vorjahr wurden in ganz Österreich 17,1 Millionen Euro gespendet; Oberösterreich war Spitzenreiter mit rund 3,4 Millionen Euro. Seit dem Beginn der Sternsingeraktion 1954 konnten bereits über 400 Millionen Euro ersungen werden. Dieses Geld wird von der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar, jährlich in mehr als 500 Projekte investiert. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe.

Mag.a Mayella Gabmann von der Katholischen Jungschar der Diözese Linz über den Einsatz der Sternsingermittel: „Das Ziel unserer Projekte ist es, Kinder und Jugendliche zu stärken und durch Aus- bzw. Weiterbildung den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen. Ebenso wichtig sind uns die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Durchsetzung der Menschenrechte. Landwirtschaftliche Projekte tragen dazu bei, die Lebensgrundlage der Menschen zu sichern.“ Projekte werden meist über einen längeren Zeitraum unterstützt, also etwa zwei bis drei Jahre, denn, so Gabmann: „Armutsbekämpfung braucht einen langen Atem.“
Die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar, sorgt für den kompetenten Einsatz der Spendengelder. Die Finanzen werden jährlich von unabhängigen WirtschaftsprüferInnen kontrolliert. Das „Spendengütesiegel“ garantiert Transparenz und objektive Sicherheit bei der Spendenabwicklung. Alle Sternsingergruppen führen einen Ausweis mit sich. So lässt sich leicht erkennen, dass sie im Auftrag der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar unterwegs sind.

Schwerpunktland Nicaragua

Wie die Hilfe zur Selbsthilfe konkret funktioniert und Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsbildung gestärkt werden, zeigt ein Projekt in Nicaragua, das bei der Pressekonferenz von Mayella Gabmann, dem Bildungsreferenten der Dreikönigsaktion Luggi Frauenberger und von zwei Projektpartnerinnen aus Nicaragua vorgestellt wurde. Aracely Gómez Ruiz und Meybeling Caballero Balmaceda besuchen derzeit in Oberösterreich Schulen und Sternsingergruppen in Pfarren, um das Projekt zu präsentieren.

So hilft Sternsingen

Nicaragua, eines der ärmsten Länder Lateinamerikas mit etwa 7 Millionen EinwohnerInnen, ist eines von 20 Ländern, die von der Dreikönigsaktion unterstützt werden. Viele Menschen in Nicaragua stehen vor großen Problemen. Landbesitz und Einkommen sind ungerecht verteilt. Eine Handvoll reicher Familien hat das Land unter sich aufgeteilt. In großen Fabriken, den „Maquilas“, beuten Konzerne ArbeiterInnen aus, die gegen geringe Entlohnung und ohne soziale Absicherung billige Kleidung oder Tabakwaren für den westlichen Markt herstellen. Viele Familien sind zerrissen, weil rund eine Million NicaraguanerInnen im Ausland arbeiten, vornehmlich in den USA. In den letzten Jahren werden auch die negativen Auswirkungen des Klimawandels immer stärker spürbar: Weite Teile der Bevölkerung sind direkt betroffen von Trockenheit, Überschwemmungen und Wirbelstürmen. Die Ausfälle in der Landwirtschaft bewirken höhere Lebensmittelpreise, die besonders die arme Bevölkerung treffen.

Kinderarbeit

Von der Armut besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche. Nach Angaben von UNICEF leiden 22 Prozent aller nicaraguanischen Kinder unter chronischer Mangelernährung. Wegen der Arbeitsmigration sind viele Kinder auf sich allein gestellt, müssen zum Familieneinkommen beitragen und arbeiten gehen – in die Tabakfabriken, auf Plantagen, als StraßenverkäuferInnen oder Haushaltshilfen. Weil dann die Zeit für das Lernen oder überhaupt für den Schulbesuch fehlt, brechen viele die Schule ab. Mit fehlender Ausbildung gehen dann aber die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben mit Job und eigenem Einkommen gegen Null.

Kindern ein Stück Kindheit zurückgeben

In den Straßen von Estelí, einer Stadt im Nordwesten von Nicaragua, herrschen Armut, Gewalt und Kriminalität. Dort ist FUNARTE (Fundación de Apoyo al Arte Creador Infantil) seit 1989 im Einsatz. Die Partnerorganisation der Dreikönigsaktion versucht, die Ärmsten und Verwundbarsten in der Bevölkerung zu stärken: Kinder und Jugendliche. Ziel der Stiftung mit 23 MitarbeiterInnen ist es, Selbstwertgefühl, Kreativität und Teamfähigkeit der Kinder und Jugendlichen zu steigern. FUNARTE bietet ihnen eine Anlaufstelle, wo sie sich erholen und ohne Angst spielen und Freizeit erleben können. Die Stiftung arbeitet auch eng mit den Ministerien zusammen und macht wichtige Lobbyarbeit zur Achtung der Rechte von Minderjährigen in der nicaraguanischen Gesellschaft.

FUNARTE wird von der Dreikönigsaktion mit 31.000 Euro im Jahr gefördert. Mayella Gabmann: „Ziel von FUNARTE ist, den Kindern ein Stück Kindheit zurückzugeben – in einem Land, in dem Kindheit eine andere Bedeutung hat als bei uns. Kinder, die häufig Gewalt erfahren und die arbeiten gehen müssen, erleben ein Stück Normalität – mit Spielen und Kreativität.“ Im geschützten Rahmen lernen die Kinder darüber hinaus, Schritt für Schritt über Themen zu sprechen, die sie bedrücken, wie zum Beispiel ihre Gewalterfahrungen auf der Straße oder zu Hause. Diese Arbeit zeigt Früchte, wenn die Kinder selbstbewusster werden, Hoffnung schöpfen und beginnen, wieder daran zu glauben, dass die Zukunft auch Positives für sie bereithält.

Aracely Gómez Ruiz ist Pädagogin arbeitet seit 2004 bei FUNARTE. Sie ist dort Trainerin im Projekt EcoArte und arbeitet mit etwa 200 Kindern und Jugendlichen in künstlerisch-ökologischen Projekten. Sie schildert die oft schwierige Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen im Alter von 4 bis 21 Jahren, die im Projekt betreut werden. „Viele Kinder müssen arbeiten, etwa als Haushaltshilfen, in Tabakfabriken oder als VerkäuferInnen von Maiskolben auf der Straße. Wir versuchen, ihnen einen Raum zu geben, wo sie kreativ und künstlerisch tätig sein können und ihre Freiheit als Kinder und Jugendliche genießen können. Gleichzeitig versuchen wir, sie für Umweltthemen zu sensibilisieren.“

FUNARTE-Projekt

Wie gut das den Kindern tut, ist am Beispiel von Meybeling Caballero Balmaceda zu sehen. Die 14-Jährige ist seit 9 Jahren Teilnehmerin am FUNARTE-Projekt und inzwischen selbst Trainerin. Gemeinsam mit Aracely Gómez Ruiz ist sie nach Österreich gekommen, um von der Arbeit von FUNARTE zu erzählen. Die Jugendliche berichtet, wie sie zu FUNARTE gekommen ist: „Ich bin ein Einzelkind und wohne mit meiner Mutter und einer Tante in Estelí. Mit 5 Jahren hat mich meine Mutter zu FUNARTE geschickt, damit ich Kontakt zu anderen Kindern habe. So habe ich angefangen, an den Wandmalerei-Workshops von FUNARTE teilzunehmen. Ich bin also schon 9 Jahre dabei und gehe jeden Samstag zum Workshop. Dort gehöre ich schon zur Kunst-Gruppe der Jugendlichen. Wir machen verschiedene künstlerisch-ökologische Projekte, zum Beispiel Wandmalereien zu Umweltthemen – ich habe selbst bereits bei sechs Wandmalereien mitgemacht. Vor kurzem haben wir aus Recycling-Materialien einen Öko-Park für eine Vorschule gestaltet. Ich gehe gern zu den Workshops – ich kann mich künstlerisch entwickeln und sehe außerdem viele meiner Freundinnen und Freunde. Die Themen interessieren mich und ich lerne über Methoden für Kunst mit Kindern und „Muralismo“, die Wandmalerei. Manchmal unterstütze ich das pädagogische Team.“ Meybeling ist selbst auch Trainerin für Umweltsensibilisierung. Die TrainerInnen kommen einmal im Monat zusammen und bilden sich zu Umweltfragen weiter.

EcoArte

Das Projekt EcoArte, bei dem sich Kinder und Jugendliche bei Wandmalereien kreativ betätigen können, bringt Kunst in den öffentlichen Raum. Es handelt sich um kollektive Kunstwerke, bei denen zuerst die Ideen gesammelt und in einer Vorlage umgesetzt werden, die dann auf die Wand übertragen wird. Das Feedback der Menschen in Estelí und der Stadtverwaltung ist äußerst positiv, wie Aracely Gómez Ruiz berichtet: „Wenn eine Wandmalerei fertig ist, machen wir meist ein Eröffnungsfest, zu dem auch JournalistInnen kommen. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Themen in die Öffentlichkeit zu tragen. Auch der Bürgermeister kommt zu den Feiern und überreicht Urkunden an die jungen KünstlerInnen. Die Stadtverwaltung hat verstanden, dass diese Projekte den Kindern und Jugendlichen guttun und sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stärken.“ Luggi Frauenberger, Bildungsreferent der Dreikönigsaktion, ergänzt: „Durch die Kunstprojekte werden die Kinder und Jugendlichen darin bestärkt, an ihren eigenen Wert zu glauben. Sie sehen, dass sie etwas können – das stärkt ihr Selbstbewusstsein und fördert sie damit auch auf ihrem Bildungsweg.“

Kunst verändert Leben

Wie sehr die Kunstprojekte Kinder und Jugendliche motivieren und ihr Leben verändern, zeigt auch das Beispiel von Dayana Mendoza Alvarez, das Aracely Gómez Ruiz schildert. Dayana, 18 Jahre alt, Stadtviertel Omar Torrijos in Estelí. Eines der ältesten Stadtviertel von Estelí. Das Viertel ist klein, es gibt nur wenige Straßen, viele Häuser sind in schlechtem Zustand. Räume für Freizeit oder Erholung gibt es nicht. Die Nähe zur Panamericana, einer Straße, die den ganzen Kontinent durchquert, macht das Gebiet zu einem gefährlichen Terrain, vor allem für Jugendliche. Sexuelle Ausbeutung, Schmuggel und Drogenhandel sind an der Tagesordnung, dazu kommen die Gefahren durch den Transitverkehr. Dayana hat drei Schwestern und einen Bruder. Zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter, zwei ihrer drei Schwestern, ihrem Schwager und acht Cousinen wohnt Dayana im Haus ihrer Großmutter. Der Vater lebt in einer anderen Stadt und kümmert sich kaum um die Familie. Das Geld war meist knapp – obwohl die Mutter mehrere Jobs gleichzeitig hatte, reichte es kaum, um die Familie zu ernähren. Dayana arbeitet, seit sie sieben oder acht Jahre alt ist, um ihre Mutter zu unterstützen. Als sie 13 oder 14 Jahre alt war, begann sie, als Haushaltshilfe zu arbeiten. Das war sehr schwer, da sie gleichzeitig ja auch zur Schule ging. Sie begann um 6 Uhr zu arbeiten, lief danach schnell nach Hause, um sich für die Schule bereit zu machen. Dann arbeitete sie auch in einem Restaurant als Küchenhilfe, später auch als Babysitterin, was ihr am besten gefiel. Die Eltern des Kindes zahlten ihr jedoch immer weniger und weniger, so dass sie diese Arbeit aufgeben musste, obwohl ihr das Kind ans Herz gewachsen war und ihr die Arbeit gefiel. Derzeit arbeitet Dayana in einer Zigarrenfabrik, ab sechs Uhr in der Früh. Sie rollt Zigarren, ungefähr 1200 Stück am Tag. So verdient sie 1.100 bis 1.104 Cordobas (ca. 30 €; 1 € sind 37 Cordobas) in der Woche. Je mehr sie schafft, desto mehr verdient sie.
Aracely Gómez Ruiz: „Dayana kommt jeden Samstag zu uns – hier hat sie Zeit für sich und kann kreativ sein. Sie hat von EcoArte sehr profitiert, über das Malen hinaus: Sie hat gelernt, wie man sich gesund ernährt, und auch erfahren, wie ein achtsamer Umgang mit Tieren und der Natur aussieht.“

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der OÖ.

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