Experte: “Noch ist es ruhig - bald Bürgerkrieg!”
LINZ. Er ist einer brisantesten politischen Autoren der Gegenwart, seine Bücher sind nicht unumstritten: Udo Ulfkotte prophezeit das Ende des sozialen Friedens in Mitteleuropa. Im Linzerleben.at-Interview zeichnet er auch für Linz ein düsteres Bild.
Einerseits ist er Experte - war Mitglied im Planungsstab der Konrad-Adenauer-Stiftung und Referent an der deutschen Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Analysierte für die renommierte "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die politische Lage im Nahen Osten. Andererseits sind seine Thesen kaum zu glauben.
In seinem Buch "Was lange gärt wird endlich Wut - Vorsicht, Bürgerkrieg" schlägt Ulfkotte Alarm, warnt vor Bürgerkrieg in Ländern wie Deutschland und Österreich. Nicht in ferner Zukunft, sondern in den nächsten Jahren. Linzerleben.at wollte wissen, warum - und wie sich seiner Meinung nach die Lage in Linz entwickeln wird.
Linzerleben.at: Wie lautet Ihre Theorie kurz zusammengefasst?
Udo Ulfkotte: Immer dann, wenn in der Geschichte schwere wirtschaftliche Krisen, ethnische Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Werteverfall und rapider Verlust staatlicher Autorität zusammenkamen, dann mündete das unausweichlich in schweren Unruhen oder Bürgerkrieg. Der Vorsitzende er deutschen Polizeigewerkschaft prophezeit das für Deutschland, und der Zukunftsforscher Gerald Celente sagt, dass in Europa bis etwa Herbst 2012 überall wieder Kriegstrommeln an die Türen der Länder klopfen werden. Er spricht auch davon, dass Zuwanderer wieder aus westlichen Industriestaaten weg gebracht werden, weil die "einheimischen" Arbeiter in Massen auf die Straßen gehen werden.
Auch in Linz?
Ulfkotte: Linz ist der größte Wirtschaftsstandort in Oberösterreich, mit dem großen Donauhafen zugleich ein Handelszentrum. Binnen 24 Monaten werden in Linz nach vorliegenden Prognosen zehntausende Arbeitsplätze wegfallen - vom Handel bis zur Industrie. Die Quelle ist da nur der Anfang. Studien des Internationalen Währungsfonds sind eindeutig: Österreich hat eine Rekordverschuldung und keine finanziellen Möglichkeiten mehr. Auch der EU geht das Geld aus. Das bedeuetet für Österreich den GAU. Was glauben Sie, wie die Einwohner darauf reagieren, wenn kein Geld mehr für die monatliche Unterstützung der Arbeitslosen in den Kassen ist? Da wird sich dann wohl eher viel Wut entladen.
Linz hat rund 200.000 Einwohner, der Migrantenanteil beträgt rund 14,4 Prozent. Kann auch das zu Problemen führen?
Ulfkotte: Es ist völlig unerheblich, wie viele Ausländer in Linz leben. Zumindest, solange diese sich integrieren, es für jeden Arbeit und ein geregeltes Einkommen gibt und man in der Stadt eine gemeinsame Zukunftsperspektive hat. Ein Problem wird daraus erst dann, wenn es nichts mehr - oder immer weniger - zu verteilen gibt. Und genau das wird bald in Linz passieren. In England gingen im Frühjahr Zehntausende mit dem Slogan "British Jobs für British workers" auf die Straße. London hat sofort EU-Gelder unter den Protestierenden verteilt, um einen Flächenbrand zu verhindern. Wir neigen in Europa dazu, alle Probleme mit Geld zu beruhigen. Wir haben uns nie gefragt, was passiert, wenn uns diese Beruhigungspille ausgeht.
Gibt es noch irgendwelche Möglichkeiten, dieses Szenario zu verhindern?
Ulfkotte: Das, was 2010 bis 2012 auf EU-Staaten wie Österreich zukommt, kann niemand mehr abwenden. Man hat zu lange zu viele Fehler gemacht. Die Bürger müssen nun die Folgen tragen.
Was würden Sie den Linzern vorschlagen?
Ulfkotte: Bereiten Sie sich vor. Wer auf Wertpapiere vertraut, der wird bald sehen, wieviel Papier im Ernstfall wert ist. Ein echt am Schicksal der Linzer interessierter Politiker würde sich am runden Tisch mit Vertretern der Ausländer, der Industrie, Kirchen und anderen Gruppen zusammen setzen. Aber das ist Wunschdenken. Bis dahin sind Kulturfestivals und die nächste Party wichtig. Und dann kommt - angeblich völlig unerwartet - das nächste böse Erwachen.
Apropos Kultur - Linz ist ja heuer Kulturhauptstadt Europas und legt großen Wert auf kulturelle Vielfalt. Ist das dann Ihrer Meinung nach der falsche Weg?
Ulfkotte: Kulturelle Blüte und Vielfalt haben immer mit Wohlstand zu tun. Europa wird aber in den nächsten Jahren wesentlich ärmer werden. Und die kulturelle Vielfalt fliegt uns dann um die Ohren.
Nachfrage beim Innenministerium: "Nicht zuständig"
Linzerleben.at wollte vom Innenministerium wissen, ob ein solches Szenario aus Sicht der Regierung möglich wäre. Das fühlt sich aber nicht unbedingt zuständig für die Sicherheit im Inneren. "Ich glaube nicht, dass es solche Szenarien in der Schublade gibt", erklärte Oberst Rudolf Gollia vom Innenministerium gegenüber Linzerleben.at. Bekannt sei ihm das Szenario eines bevorstehenden Bürgerkriegs aber schon. "Da gibt es viele Autoren, die so etwas voraussagen." Auch sei bekannt, dass die Kriminalitätsrate mit den sozialen Verhältnissen zusammenhänge. Zuständig für Unruhen sei aber eher die Polizei. "Die muss sich natürlich auf alle möglichen Zwischenfälle vorbereiten", so Gollia.
Bundesheer gegen Aufständische?
Und wäre im Falle eines Falles das Bundesheer auch gegen Unruhen in Österreich einsetzbar? "Rechtlich wäre das möglich. So wie der Assistenzeinsatz an der Grenze könnte das Heer auch polizeiliche Unterstützungsaufgaben übernehmen", erklärt der Sprecher des Innenministeriums. Dafür würde es aber eine Notstandsverordnung des Bundespräsidenten brauchen. Und wie denkt Rudolf Gollia höchstpersönlich über die Möglichkeit von Unruhen in den nächsten Jahren? "Meine persönliche Meinung spielt da keine Rolle."


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